Pilotschulen Inklusion: Beschluss der LAG Bildung vom 30.3.2012

LPR-Antrag, Beschluss der LAG Bildung am 30. März 2012 

Inklusive Schule: die Chance für alle Kinder

Mehr Rückenwind für das Pilotprojekt

Für Bündnis 90/Die Grünen ist Inklusion, also die Einbeziehung von Kindern mit Förderbedarfen in die Regelschule, das Schlüsselprojekt für mehr Bildungsgerechtigkeit. Inklusion erfordert einen Unterricht, der Kinder mit all ihren unterschiedlichen Fähigkeiten und Voraussetzungen gleichermaßen fördert. Inklusion begreift Vielfalt als Chance und kommt damit allen Kindern zugute.

Wenn auch die von Landesregierung bislang vorgeschlagenen Maßnahmen noch unzureichend sind, so begrüßen wir doch das aktuelle Pilotschulprojekt. Abgesehen davon, dass die Kommunikation bisher mangelhaft war, sehen wir sowohl Schwachstellen an dem Projekt als auch darüber hinaus ungelöste Fragen. 

Wir fordern deshalb für das Pilotschulprojekt:

  • eine Erweiterung auf weiterführende Schulen. Nur so kann erreicht werden, dass Kinder mit Förderbedarfen, die aus dem gemeinsamen Unterricht einer Pilotschule in die weiterführende Schule wechseln, dort auf ein Umfeld treffen, das ihren Bedürfnissen gleichermaßen gerecht wird. Gleiches gilt für den Übergang in Beruf bzw. Oberstufenzentren. Inklusion muss mit den Kindern mit wachsen, die Sekundarschule soll den inklusiven Ansatz weiter führen.   
  • eine Unterstützung der an die Pilotschulen angegliederten Horte, damit sie der geänderten Schülerschaft gerecht werden können.
  • die Schulen in freier Trägerschaft in die Entwicklung besser einzubeziehen. Dass diese Schulen für die Erteilung von Ressourcen z.B. bei den Kindern Förderdiagnostik durchführen müssen, die insgesamt wegen der damit verbundenen Etikettierung von Kindern gerade vermieden werden soll, ist ein unhaltbarer Zustand.

Bei den Schulen, die sich an dem Projekt beteiligen wollen, werden Befürchtungen artikuliert, sie könnten sich jetzt auf einen neuen Weg einlassen, für den am Ende nach einigen Jahren wieder die Ressourcen gestrichen werden. Allzu oft, z.B. bei den Flex-Klassen und bei der Ganztagsschule, sind solche Erfahrungen gemacht worden. Hier allerdings geht es um ein besonderes Projekt: Die Förderung der betroffenen Kinder kann man nicht einfach auslaufen lassen. Wir erwarten deshalb von der Landesregierung, den beteiligten Schulen die adäquate Finanzierung auch für die Zukunft zu garantieren.

Die Erweiterung auf alle Schulen ab 2015 muss auf Basis der wissenschaftlichen Evaluation erfolgen. 

Über das Pilotschulprojekt hinaus ist von der Landesregierung dringend zu klären bzw. anzuregen, dass

  • der Anspruch auf inklusiven Unterricht im Schulgesetz verankert wird.
  • Schulen, die nicht am Pilotprojekt teilnehmen und sich trotzdem vor 2015 inklusivem Unterricht öffnen wollen, angemessene Unterstützung zuteil wird.  
  • Schulen ihr Angebot zügig auf die Förderschwerpunkte geistige und körperliche Entwicklung sowie Sehen und Hören ausweiten. Die jetzt vorgenommene Fokussierung auf die Förderschwerpunkte Lesen, emotional-soziale Entwicklung sowie Sprache bezieht nur Förderschwerpunkte mit ein, die im internationalen Rahmen gar nicht als Behinderungen gelten. 
  • Rahmenlehrpläne angeglichen und Ziffernzensuren durch einheitliche Kompetenzbeschreibungen ersetzt werden. 
  • auf Kreisebene 'Runde Tische Inklusion' eingerichtet werden, sowie regionale Fachkonferenzen für SonderpädagogInnen für den kollegialen Austausch. Beides kann die Entwicklung kommunaler Bildungslandschaften befördern.  

Wir erkennen an, dass auch der Umbau der Schulgebäude (Barrierefreiheit, Rückzugsräume) von den Schulträgern große Anstrengung erfordert und nach und nach bewältigt werden muss. Wir sehen auch, dass das Bildungssystem in Brandenburg in Ländervergleichen immer wieder miserabel abschneidet und auf allen Ebenen chronisch unterfinanziert ist. Wir werden uns  weiterhin mit aller Kraft dafür einsetzen, die Rahmenbedingungen für Bildung zu verbessern. Die Konsequenz daraus darf aber nicht sein, Inklusion auf die lange Bank zu schieben. Wir Bündnisgrüne setzen uns auf allen Ebenen für mutige Schritte ein, für die Zukunft unserer Kinder.

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