Situation der Geflüchteten in den Gemeinschaftseinrichtungen im Havelland: Mehr Schutz für allein reisende Frauen und mehr Migrationssozialarbeit nötig!

28.05.17 –

Wie sensibel ist der Wachschutz, vor allem bei Schutzbedüftigen wie allein reisenden Frauen und Homosexuellen, wer ist nach 17 Uhr erreichbar, wenn die Sozialarbeiterin Feierabend hat und an wen können sich verzweifelte Menschen wenden, die Suizidgedanken haben oder übergriffiges Verhalten anderer Bewohner erlebt haben? Diese und andere drängende Fragen bewegten die Landesvorsitzende von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, PETRA BUDKE, nach dem Selbstmordversuch einer jungen Frau in der Gemeinschaftsunterkunft in Schönwalde-Glien. Sie suchte deshalb am 23.5. in Falkensee das Gespräch mit Kreisdezernent Dennis Granzow und Sozialamtsleiterin Elke Franke über die Situation in den Gemeinschaftsunterkünften und den Stand der Integration im Havelland. Dabei erkundigte sie sich, wie das Zusammenleben der Nationen klappt, wie weit die Integration fortgeschritten ist, wie viele Sozialarbeiter*innen für die insgesamt 177 Personen in der Gemeinschaftsunterkunft Schönwalde-Glien zuständig sind und ob in Krisensituationen jemand außer dem Wachschutz erreichbar ist.

Der Landkreis erfülle seine Aufgaben korrekt, so Granzow. Denn von den 177 Personen im Heim fielen 109 unter das Asylbewerberleistungsgesetz, die übrigen 68 bezögen Leistungen nach dem SGB II, der Grundsicherung für Arbeitsuchende – und für diese Menschen sei keine Sozialarbeiterin vorgesehen. Telefonnummern für Notfälle und den Krisendienst würden jedem Bewohner zum Einzug ausgehändigt, auf mehrsprachigen Flyern mit Piktogrammen, zusätzlich würden sie in Toiletten und Küchen aushängen, und allein reisende Frauen würden speziell angesprochen. Es gebe auch mit Schildern ausgewiesene Begegnungsräume nur für Frauen. Man achte darauf, dass allein reisende Frauen und besonders Schutzbedürftige kompakt untergebracht würden und die Nationalitäten räumlich getrennt seien, um Konflikte zu vermeiden. Der Wachschutz spreche arabisch und kurdisch, Zimmerkontrollen würden erst nach mehrmaligem Anklopfen durchgeführt, schilderte Dennis Granzow. Der Krisendienst sei über die Leitstelle 112 rund um die Uhr zu erreichen und für die psychotherapeutische und soziale Betreuung hielten nicht nur die Gemeindeschwester, sondern auch der Leiter des sozialpsychiatrischen Dienstes Havelland persönlich Sprechstunden in den Einrichtungen ab. Ein Krisendienst mit Nachtschicht werde vom Land nicht gefordert.

Auch wenn die Mindeststandards erfüllt würden, so das Fazit von PETRA BUDKE, seien doch darüber hinaus große Anstrengungen nötig, damit Integration gelingen könne. „Nicht genug schätzen kann man deshalb die ehrenamtliche Arbeit der Willkommensinitiativen,“ sagte Petra Budke abschließend. „Die Patinnen und Paten kümmern sich mit großem Engagement um die Bewohnerinnen und Bewohner und sind auch in Krisensituationen wichtige Ansprechpartner. Doch dürfen wir sie auch nicht überfordern. Ich wünsche mir mehr Sensibilität für besonders Schutzbedürftige, eine striktere Trennung bei der Unterbringung und zum Beispiel auch weibliches Personal beim Wachschutz. Wir brauchen einen Krisendienst rund um die Uhr und mehr Migrationssozialarbeit im Havelland.“ Was Letzteres anbelangt, so stellte Dezernent Dennis Granzow baldige Verbesserungen in Aussicht. Eine zweite Sozialarbeiterstelle für die Unterkunft in Schönwalde-Glien sei bereits ausgeschrieben.

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