Die Umweltängste sind in Brandenburg stärker ausgeprägt als im Rest der Republik. Als „spannend“ bezeichnen die Autorinnen der R+V-Studie „Die Ängste der Deutschen 2026“ diesen Unterschied. Die Brandenburger Bündnisgrünen sehen darin einen klaren Auftrag an die Landesregierung, den Schutz vor Klimafolgen zu stärken.
44 Prozent der Befragten in Brandenburg fürchten sich vor den Folgen des Klimawandels. Bundesweit sind es 30 Prozent. Auch die Sorge vor häufigeren Naturkatastrophen ist im Land größer: Sie beschäftigt 42 Prozent der Befragten, gegenüber 27 Prozent im Bundesdurchschnitt.
Clemens Rostock, Landesvorsitzender der Brandenburger Bündnisgrünen, überraschen diese Zahlen nicht. „Die Menschen erleben, was Hitze und Trockenheit für ihren Alltag und ihre Heimat bedeuten. Sie erwarten zu Recht, dass die Landesregierung handelt. Doch die Regierung tut zu wenig und stutzt den Umwelt-, Natur- und Klimaschutz weiter zusammen“, sagt Rostock. „Es reicht eben nicht, den Menschen wohlmeinend zu raten, ausreichend zu trinken, wie es die SPD zu Beginn des Sommers getan hat. Die Menschen erwarten wirksamen Schutz vor Hitze. Dafür muss die Landesregierung die Kommunen verlässlich unterstützen.“
Mit dem Ausscheiden der Bündnisgrünen aus dem Landtag fehle eine entscheidende Stimme für den Schutz vor Klimafolgen, kritisiert Rostock. „Die Sorgen der Menschen brauchen eine politische Antwort.“
Wie diese aussehen könnte, zeigen inzwischen andere SPD-geführte Länder. Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Saarland und Bremen, Hamburg haben eine Bundesratsinitiative eingebracht, um Klimaanpassung und Naturschutz als Gemeinschaftsaufgabe im Grundgesetz zu verankern. Damit soll eine dauerhafte Finanzierung durch Bund und Länder ermöglicht werden. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem gesundheitlichen Hitzeschutz. Das ebenfalls SPD-geführte Brandenburg gehört nicht zu den drei antragstellenden Ländern.
„Die Brandenburger SPD lässt ihre Kommunen mit den Klimafolgen allein. In anderen Ländern setzt sie sich für eine verlässliche Finanzierung ein. Hier fehlt selbst bei diesem gemeinsamen Vorstoß die Landesregierung. Das ist angesichts der großen Sorgen in Brandenburg ein Armutszeugnis“, sagt Rostock. „Ministerpräsident Woidke muss sich mit seiner Landesregierung der Initiative anschließen und dafür kämpfen, dass unsere Städte und Gemeinden dauerhaft Geld für wirksamen Hitzeschutz erhalten.“
Auch die Bündnisgrünen im Bundestag haben die Verankerung einer solchen Gemeinschaftsaufgabe gefordert. Die Brandenburger Bundestagsabgeordneten Dr. Andrea Lübcke und Michael Kellner unterstützen diesen Ansatz, um Kommunen dauerhaft bei der Vorsorge gegen Klimafolgen zu helfen.
Auch der aktuelle ARD-DeutschlandTrend zeigt, wie stark die Klimakrise die Menschen beschäftigt. In der Befragung von infratest dimap machen sich bundesweit 60 Prozent der Wahlberechtigten Sorgen, dass der Klimawandel unsere Lebensgrundlagen zerstört. Die Ergebnisse sind wegen unterschiedlicher Fragestellungen und Befragungszeiträume nicht unmittelbar vergleichbar. Sie unterstreichen aber die politische Bedeutung der Sorgen um die Folgen des Klimawandels.
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Mehr Informationen
R+V-Studie: Ergebnisse nach Bundesländern
https://www.ruv.de/newsroom/themenspezial-die-aengste-der-deutschen/ergebnisse-nach-bundeslaendern
Entschließung des Bundesrates „Klimaanpassung und Naturschutz als Gemeinschaftsaufgabe verankern – Länder und Kommunen finanziell bei der Bewältigung der Folgen des Klimawandels umfassend unterstützen“
Antrag der Länder Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Saarland und Bremen, Hamburg
https://www.bundesrat.de/SharedDocs/TO/1068/tagesordnung-1068.html?topNr=96#top-96
ARD-DeutschlandTREND Oktober 2026
https://www.tagesschau.de/inland/deutschlandtrend/deutschlandtrend-pdf-234.pdf