Lehrkräftemangel eskaliert: Landesregierung leistet bildungspolitischen Offenbarungseid – Bündnisgrüne fordern Notfallplan für Brandenburgs Schulen

Zur Ankündigung von Bildungsminister Gordon Hoffmann, dass der Kernunterricht im Schuljahr 2026/2027 nicht mehr an allen Schulen in Brandenburg abgesichert werden kann, erklärt Juliana Meyer, Landesvorsitzende der Brandenburger Bündnisgrünen:

„Erst baut die Landesregierung Stellen ab, dann zeigt sie sich überrascht, dass die Unterrichtsgarantie nicht mehr überall gehalten werden kann. Dieses Chaos ist hausgemacht. Der Lehrkräftemangel ist seit Jahren bekannt, trotzdem wurde nicht vorausschauend geplant, sondern weiter auf Kante genäht. Nach der Streichung von 345 Vollzeitstellen nun einzuräumen, dass der Kernunterricht wackelt, ist ein bildungspolitischer Offenbarungseid. Das ist kein Betriebsunfall, sondern das Ergebnis jahrelanger Ideen- und Planlosigkeit in der Bildungspolitik.

Es ist gut, dass der Minister Hoffmann die Situation nicht schönredet und Bereitschaft zu flexiblen Lösungen zeigt. Aber Ehrlichkeit allein ersetzt keine Politik. Jetzt braucht es einen verbindlichen Plan, wie Brandenburg Lehrkräfte gewinnt, Schulen entlastet, Unterricht sichert und den Beruf wieder attraktiver macht. Der CDU-Minister hatte genug Zeit, sich die Lage an den Schulen, die Einstellungssituation und die Folgen des Lehrkräftemangels anzuschauen. Dass diese Erkenntnis erst jetzt kommt, ist kaum zu erklären. Wer Regierungsverantwortung übernimmt, muss mehr liefern als Problembeschreibungen.

Die Arbeitsbelastung an den Schulen ist enorm, die Anerkennung und Wertschätzung des Lehrerberufs sind viel zu gering, die Attraktivität des Berufs leidet massiv. Dafür trägt diese Landesregierung Verantwortung. Dauerhafte Überlastung von Lehrkräften sorgt dafür, dass Brandenburg im Wettbewerb um Fachkräfte weiter zurückfällt.

Sparen bei Schulen beschneidet die Zukunftschancen von Kindern und Jugendlichen in Brandenburg. Schlechte Unterrichtsversorgung verschärft bestehende Probleme: Familien überlegen sich sehr genau, ob sie in eine Region ziehen oder dort bleiben, wenn sie hören, dass Unterricht ausfällt, Abschlüsse wackeln und Schulen dauerhaft am Limit arbeiten. Bildungspolitik ist auch Standortpolitik. Diese Landesregierung gefährdet beides.

Wir Bündnisgrünen fordern vom Bildungsministerium jetzt einen konkreten Notfall- und Stufenplan für das Schuljahr 2026/2027. Das Ministerium muss schleunigst darlegen, wie zumindest ein verlässliches Kernstundenangebot für alle Schüler*innen abgesichert werden kann. Eine Anpassung der Stundentafel darf nur temporär erfolgen und nur dort, wo Unterrichtsrückstände in späteren Jahrgängen tatsächlich wieder aufgeholt werden können.“