Medienberichten zufolge will die Deutsche Bahn die geplante neunmonatige Vollsperrung der Strecke Berlin–Frankfurt (Oder) nicht weiterverfolgen und prüft Alternativen. Dazu erklärt Clemens Rostock, Landesvorsitzender der Brandenburger Bündnisgrünen:
„Es ist ein Armutszeugnis, dass erst massive Proteste aus Brandenburg nötig waren, damit eine neunmonatige Vollsperrung einer so zentralen Verkehrsachse als schlechte Idee erkannt wird. Gut, dass dieser Plan jetzt vom Tisch ist. Besser späte Einsicht als gar keine. Für Pendlerinnen und Pendler, Unternehmen, den Regionalverkehr, den Fernverkehr nach Polen und den Güterverkehr wäre eine monatelange Komplettsperrung eine völlig unverhältnismäßige Belastung für die Region gewesen.
Jetzt darf die Information aber nicht wieder tröpfchenweise in der Öffentlichkeit ankommen. Die Bahn muss offen, frühzeitig und proaktiv kommunizieren, welche Varianten geprüft werden, welche Folgen sie für Fahrgäste und Wirtschaft haben und wann mit welchen Einschränkungen zu rechnen ist. Die Menschen entlang der Strecke brauchen Verlässlichkeit statt Überraschungen.
Egal welche Alternative am Ende gewählt wird: Es muss mindestens ein Rumpfverkehr auf der Schiene erhalten bleiben. Auch die Wege, die ein Schienenersatzverkehr zurücklegen muss, müssen so kurz wie möglich gehalten werden. Ein Ersatzverkehr über weite Strecken ist für viele Pendlerinnen und Pendler keine tragfähige Lösung. Der Vorgang zeigt erneut, wie dringend Brandenburg eine leistungsfähige Alternativstrecke über die Ostbahn braucht. Sie wäre eine wichtige Ausweichroute für die Anbindung von Frankfurt (Oder) an Berlin, für den Güterverkehr und perspektivisch auch für den Fernverkehr. Dass die Ostbahn fast 40 Jahre nach dem Mauerfall noch immer weitgehend eingleisig und nicht elektrifiziert ist, rächt sich jetzt. Bund und Land müssen den Ausbau der Ostbahn endlich mit der nötigen Priorität vorantreiben.“