Nach dem tödlichen Anschlag auf den Berliner CSD hatte Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) der queeren Community Schutz und Solidarität versprochen. Nur wenige Wochen später wird dem CSD Rathenow die bisherige Förderung aus dem Bundesprogramm „Demokratie leben!“ gestrichen. Ohne die zugesagte Förderung fehlen den Veranstaltenden plötzlich 1.000 Euro, die fest einplant waren.
„Die angebliche Solidarität der CDU-Ministerin mit queeren Menschen entpuppt sich als leeres Gerede. Nach dem tödlichen Anschlag auf den Berliner CSD stellte sich Karin Prien vor die Kameras und versprach Schutz. Jetzt lässt sie zu, dass dem CSD Rathenow wegen gerade einmal 1.000 Euro das Aus droht“, kritisiert Juliana Meyer, Landesvorsitzende der Brandenburger Bündnisgrünen. Gerade kleinere CSDs seien auf solche Mittel angewiesen. Das Geld werde unter anderem für Sicherheit, Technik und die Durchführung der Veranstaltung gebraucht.
„Die queere Community hat diese plötzlichen Solidaritätsbekundungen von Anfang an kritisch gesehen. Nun zeigt sich, wie berechtigt dieses Misstrauen war. Anteilnahme vor laufenden Kameras kostet nichts. Verlässliche Unterstützung schon. Karin Prien hat sich für schöne Worte und gegen konkrete Hilfe entschieden“, heißt aus der Landesarbeitsgemeinschaft QueerGrün.
Der Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Felix Banaszak, der Landesverband von Bündnis 90/Die Grünen Brandenburg und der Kreisverband Havelland stellten deshalb gemeinsam 500 Euro bereit. Für die zweite Hälfte der fehlenden Summe starteten die Brandenburger Bündnisgrünen am Mittwoch eine Sammelaktion über das Spendenportal Twingel: (https://twn.gl/SpendenCSDs). Binnen weniger Stunden kamen, bei der über Instagram veröffentlichte Aktion, über 2.300 Euro zusammen (Stand Donnerstag, 9.00 Uhr), die nun vollständig an den CSD in Rathenow gehen.
„Die Aktion übertrifft alle unsere Erwartungen. Ehrenamtliche und Spender*innen müssen nun ausgleichen, was Karin Prien mit den ihr anvertrauten Steuergeldern nicht bereit ist zu sichern. Der CSD kann nun trotz der Kürzung stattfinden. Nicht wegen der Politik von Union und SPD im Bund, sondern trotz ihr“, sagt Meyer. „Gerade im ländlichen Raum sind CSDs wichtige Orte queerer Sichtbarkeit. Sie geben Menschen Rückhalt und schaffen Öffentlichkeit dort, wo queeres Leben noch immer auf Ablehnung und Bedrohungen trifft.“
Die gemeinsame Spendenaktion kann die Verantwortung des Bundes nicht ersetzen. Sie ist ein bewusstes Zeichen der Solidarität und soll zugleich verhindern, dass der CSD Rathenow an einer vergleichsweise kleinen Finanzierungslücke scheitert. Die Brandenburger Bündnisgrünen fordern Bundesfamilienministerin Karin Prien auf, die Entscheidung zu korrigieren und die Förderung von CSDs gerade in kleinen Orten und im ländlichen Raum dauerhaft sicherzustellen. Die fehlende Unterstützung und Doppelzüngigkeit zeigt sich auch beim Wegfall der Förderung für das Jugendnetzwerk Lambda e. V. und damit auch für queere Jugendliche und junge Erwachsene in Brandenburg ab 2027.
…………….
Spendenaktion
https://spenden.twingle.de/bundnis-90-die-grunen-brandenburg/unterstuetzung-csds/tw6a730a0389fdc/page?tr=SpendenCSDs
Instagram
https://www.instagram.com/p/DbqIobjDUjM/?img_index=1