Land ohne Plan beim Rechenzentren-Boom: Bündnisgrüne schaffen Transparenz, fordern eine Strategie und unterstützen mit Werkzeugkasten  

Brandenburg erlebt derzeit einen Boom bei neuen Rechenzentrumsprojekten. Es fehlt jedoch an einem öffentlichen Überblick darüber, welche Projekte geplant sind und wo sie entstehen sollen. Ebenso unklar bleibt häufig, wie die Anlagen gekühlt werden und wie viel Wasser dafür benötigt wird. Die Landesregierung lässt die Kommunen bei der Bewertung und Begleitung solcher Ansiedlungen bislang weitgehend allein. 
 
Rechenzentren sind eine unverzichtbare Infrastruktur unserer digitalen Gesellschaft und für unsere digitale und technologische Souveränität, insbesondere von China und den USA. Cloud-Dienste, Künstliche Intelligenz und viele Anwendungen des täglichen Lebens sind auf leistungsfähige Rechenzentren angewiesen. Die Brandenburger Bündnisgrünen sehen daher grundsätzlich den Bedarf für neue Kapazitäten. Entscheidend ist, wo und unter welchen Bedingungen sie entstehen. 
 

Aktuell sind nach Recherchen von öffentlich zugänglichen Informationen der Brandenburger Bündnisgrünen 20 größere Rechenzentren in Brandenburg in Betrieb, im Bau oder geplant. Zugleich fehlen verlässliche Informationen zu vielen Projekten. Die Brandenburger Bündnisgrünen veröffentlichen deshalb heute die Website www.rechenzentren-brandenburg.de. Dort werden alle öffentlich zugänglichen Informationen zu den bekannten Vorhaben gebündelt. 

Ergänzend stellen die Bündnisgrünen einen kommunalen Werkzeugkasten bereit. Dieser enthält umfangreiche Fragenkataloge für kommunal Engagierte sowie eine Musteranfrage an Verwaltungen. Ein Forderungskatalog für eine nachhaltige Ansiedlungspolitik wird an die Landesregierung übermittelt. 

Clemens Rostock, Landesvorsitzender von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Brandenburg, sagt: 

„Die Landesregierung schaut bei der Ansiedlung neuer Rechenzentren bislang weitgehend weg. Deshalb sorgen wir Brandenburger Bündnisgrüne mit dieser Internetseite für Transparenz. Die Menschen vor Ort haben ein Recht darauf, frühzeitig zu erfahren, welche Auswirkungen ein Projekt auf Wasser, Energieversorgung und ihre Kommune hat. Gleichzeitig bringen wir klare Forderungen auf den Tisch. Neue Rechenzentren müssen zu den verfügbaren Ressourcen und zur Entwicklung der jeweiligen Region passen. Wir brauchen die richtigen Rechenzentren am richtigen Ort.“ 
 
Dr. Andrea Lübcke, Berichterstatterin für Künstliche Intelligenz im Forschungsausschuss für die Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, sagt: 

„Brandenburg ist eine wasserarme Region. Neue Rechenzentren müssen deshalb mit geschlossenen Kühlkreisläufen oder anderen wassersparenden Systemen arbeiten. Zugleich muss die entstehende Abwärme genutzt werden. Sie ungenutzt an die Umgebung abzugeben, wäre eine enorme Verschwendung.“ 

Michael Kellner, energiepolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, sagt: 

„Rechenzentren benötigen große Mengen Strom. Deshalb müssen sie besonders energieeffizient arbeiten. Brandenburg verfügt über viel erneuerbaren Strom und bietet sich als Standort an. Neue Rechenzentren dürfen andere Industrieansiedlungen mit deutlich mehr Arbeitsplätzen nicht verhindern. Sie müssen klug in das bestehende Stromnetz integriert werden.“ 

Dr. Sergey Lagodinsky, Berichterstatter der Fraktion Grüne/EFA für Cloud-Dienste im Rahmen des Digital Markets Act, sagt: 

„Unsere digitale Unabhängigkeit ist nur möglich, wenn genug  Rechenleistung in Europa verfügbar ist. Diese Rechenleistung muss aber nachhaltig und lokal verankert sein. Sie muss sich nur nach verbindlichen Standards für Effizienz und Ressourcenschutz richten. Der Wettbewerb um digitale Infrastruktur darf nicht zulasten von Klima und Kommunen gehen. Dafür müssen wir in Brüssel und in Brandenburg sorgen.“

Forderungen an die Landesregierung 

Download Forderungskatalog Rechenzentren
https://gruene-brandenburg.de/wp-content/uploads/2026/09/Forderungspapier_Rechenzentren.pdf

Die Brandenburger Bündnisgrünen fordern eine landesweite Strategie für Rechenzentren. Bei der Standortwahl müssen die langfristige Wasserverfügbarkeit und die Kapazitäten des Stromnetzes berücksichtigt werden. Ebenso wichtig sind der Flächenbedarf und realistische Möglichkeiten zur Abwärmenutzung. Auch die Auswirkungen mehrerer Projekte innerhalb einer Region müssen gemeinsam geprüft werden. 

Neue Rechenzentren sollen bilanziell klimaneutral und besonders energieeffizient betrieben werden. Geschlossene Kühlkreisläufe und andere wassersparende Systeme müssen zum Standard werden. Eine reguläre Verdunstungskühlung mit Trinkwasser oder Grundwasser lehnen die Bündnisgrünen ab. Benötigtes Wasser soll möglichst aus aufbereitetem Abwasser oder geeigneten Brauchwasserquellen stammen. 

Die Abwärmenutzung muss bereits bei der Standortwahl verbindlich berücksichtigt werden. Neue Anlagen sollen bevorzugt dort entstehen, wo Wärmenetze oder geeignete gewerbliche Abnehmer vorhanden sind. Bereits versiegelte Flächen sowie bestehende Gewerbe- und Industriestandorte sollen Vorrang erhalten. 

Standortkommunen müssen angemessen an der Wertschöpfung beteiligt werden. Der geplante neue Zerlegungsmaßstab bei der Gewerbesteuer ist dafür ein wichtiger Schritt. Für Projekte, die nicht unter diese Regelung fallen, schlagen die Bündnisgrünen einen Rechenzentrumseuro vor. Seine Höhe soll sich an der Anschlussleistung des jeweiligen Rechenzentrums orientieren. 

Das Land soll ein öffentlich zugängliches Rechenzentrumsregister aufbauen. Darin müssen unter anderem Angaben zum Flächenbedarf, zur Anschlussleistung und zum Wasserverbrauch veröffentlicht werden. Auch Informationen über die Kühlung, die Abwärmenutzung und den Genehmigungsstand gehören in das Register. Bürger*innen müssen frühzeitig und verständlich beteiligt werden. 

Für neue Rechenzentren fordern die Bündnisgrünen außerdem ein Wärmeschutzkonzept. Mögliche Auswirkungen auf das lokale Mikroklima und angrenzende Wohngebiete müssen bereits bei der Planung untersucht werden. Rückbau oder Nachnutzung müssen vor der Genehmigung geregelt und finanziell abgesichert sein. Die Folgekosten dürfen nicht bei den Kommunen oder der Allgemeinheit verbleiben. 

Besonders nachhaltige Projekte sollen durch klare Kriterien und gebündelte Zuständigkeiten zügiger umgesetzt werden können. Die gesetzlich vorgeschriebenen Prüfungen und Beteiligungsverfahren bleiben davon unberührt. 

Weitere Informationen, die Übersicht der bekannten Rechenzentren und der kommunale Werkzeugkasten sind unter https://rechenzentren-brandenburg.de abrufbar.