Sinkende Schülerzahlen: Bündnisgrüne warnen vor Schulschließungen – „Standortfaktor für den ländlichen Raum“

Die Brandenburger Bündnisgrünen warnen davor, auf sinkende Schülerzahlen mit Schulschließungen zu reagieren. Die Prognosen des Bildungsministeriums dürften nicht isoliert betrachtet werden. Zuzug und die gewünschte demografische Entwicklung Brandenburgs müssten bei der langfristigen Schulplanung stärker berücksichtigt werden. Gegenüber Medien hat Bildungsminister Gordon Hoffmann (CDU) angesichts sinkender Schülerzahlen Schulschließungen in Brandenburg nicht ausgeschlossen. Nach einer aktuellen Modellrechnung des Bildungsministeriums könnte die Zahl der Schülerinnen und Schüler bis 2040/41 um rund 17 Prozent sinken.

„Wer Schulen schließen will, gefährdet die flächendeckende Schullandschaft von morgen“, warnt Juliana Meyer, Landesvorsitzende der Brandenburger Bündnisgrünen. „Von Bildungsminister Hoffmann erwarten wir mehr innovative Ideen als die Lösungsschablonen von vorgestern. Gerade in dünn besiedelten Regionen müssen wir darüber nachdenken, wie Schulstandorte vielseitiger genutzt und dadurch dauerhaft gesichert werden können. Eine Schule ist gerade im ländlichen Raum weit mehr als ein Gebäude, in dem Unterricht stattfindet. Sie ist ein wichtiger Standortfaktor für Familien und oft ein sozialer Ankerpunkt für den ganzen Ort.“

Brandenburg will junge Menschen und Familien für das Leben und Arbeiten im Land gewinnen. Dazu braucht es wohnortnahe Schulen. Eine Familie, die für eine neue Arbeitsstelle aufs Land ziehen möchte, wird sich zweimal überlegen, ob sie diesen Schritt geht, wenn die nächste Schule weit entfernt ist oder vor Ort keine ausreichenden Schulangebote vorhanden sind. Fehlende Bildungsangebote können Zuzug verhindern und damit den demografischen Rückgang zusätzlich verstärken.

Der Rückgang der Schülerzahlen bietet zugleich die Chance, die Qualität an unseren Schulen endlich spürbar zu verbessern. Wie schon bei den Kitas darf die Antwort auf sinkende Kinderzahlen nicht reflexartig Schließung heißen. Kleinere Klassen, bessere individuelle Förderung und mehr Zeit für die Schülerinnen und Schüler wären eine Investition in bessere Bildung.

Die Brandenburger Bündnisgrünen sprechen sich dafür aus, Schulstandorte künftig stärker als öffentliche Lern- und Begegnungsorte zu denken. Schulgebäude könnten außerhalb des Unterrichts auch anderen Gruppen offenstehen. Denkbar seien beispielsweise Dorfbibliotheken in Schulen oder gemeinsame digitale Angebote zur Förderung medialer Kompetenzen für Schülerinnen und Schüler sowie ältere Menschen.

Zusätzlich kritisieren die Brandenburger Bündnisgrünen die geplante Streichung der zusätzlichen Entlastungsstunde für Lehrkräfte an besonders belasteten Schulen. In einem Schreiben an Lehrerinnen und Lehrer im Land Brandenburg kündigt Bildungsminister Gordon Hoffmann an, dass die Entlastungsstunde an Förderschulen, beruflichen Schulen sowie Schulen mit besonders hohen sozialen Belastungen (Sozialindex 4 und 5) ab dem 1. Februar 2027 wegfallen soll.

„Ausgerechnet an Schulen mit besonders großen Herausforderungen eine Entlastungsstunde zu streichen, ist das falsche Signal. Gute Bildungsqualität braucht Lehrkräfte, die ausreichend Zeit und Unterstützung für ihre Arbeit haben. Gerade diese Schulen brauchen mehr Unterstützung und nicht weniger“, fordert Meyer.