Das Aus für den geplanten Biotech-Campus in Hennigsdorf stößt bei den Brandenburger Bündnisgrünen auf scharfe Kritik. Nachdem das Land Brandenburg die Förderung verweigert, droht eines der wichtigsten Innovationsprojekte der Region endgültig zu scheitern. Für rund 70 Millionen Euro sollte ein Campus entstehen, der Unternehmen der Life-Science- und Biotech-Branche dringend benötigte Entwicklungs- und Produktionsflächen bietet. Stadt und Landkreis hatten über Jahre an dem Vorhaben gearbeitet; die Stadt Hennigsdorf hatte bereits rund eine Million Euro investiert.
„Der Biotech-Campus war mehr als ein Bauprojekt. Er war ein Versprechen auf Zukunft für Hennigsdorf, für Oberhavel und für den Wirtschaftsstandort Brandenburg. Wo Life-Science-Cluster wachsen können, entstehen hochqualifizierte Arbeitsplätze, private Folgeinvestitionen und regionale Wertschöpfung. Genau diese Chance lässt das Land Brandenburg jetzt liegen“, sagt Clemens Rostock, Landesvorsitzender der Brandenburger Bündnisgrünen und Stadtverordneter in Hennigsdorf.
Besonders schwer wiegt aus Sicht der Brandenburger Bündnisgrünen, dass der Biotech-Campus 2022 durch die Landesregierung selbst ausdrücklich als Schlüsselvorhaben der Regionalentwicklungsstrategie bestätigt worden war. Damit geht es auch um Verlässlichkeit gegenüber Kommunen, Unternehmen und einer ganzen Region.
„Hennigsdorf hat über Jahre Verantwortung übernommen, geplant, investiert und auf ein gemeinsames Zukunftsprojekt gesetzt. Kommunen erst zu ermutigen und sie dann im entscheidenden Moment alleinzulassen, beschädigt Vertrauen. Für eine Stadt, die sich wirtschaftlich weiterentwickeln und neue Zukunftsbranchen ansiedeln will, ist diese Entscheidung ein schwerer Rückschlag“, so Rostock.
Auch bundespolitisch steht die Entscheidung aus Sicht der Brandenburger Bündnisgrünen im Widerspruch zu den Zielen, Innovation, technologische Souveränität und neue Wertschöpfung in Deutschland zu stärken.
„Biotechnologie ist eine der Schlüsseltechnologien der Hightech-Agenda des Bundes. Während überall darüber gesprochen wird, wie Deutschland technologisch souveräner werden und aus klugen Ideen neue Wertschöpfung entstehen kann, zieht Brandenburg bei einem konkreten Zukunftsprojekt den Stecker. Das passt nicht zusammen“, sagt die Brandenburger Bundestagsabgeordnete Dr. Andrea Lübcke, Berichterstatterin für die Hightech-Agenda im Ausschuss für Forschung, Technologie, Raumfahrt und Technikfolgenabschätzung.
Gerade im Life-Science-Bereich wäre der Standort Hennigsdorf hochattraktiv gewesen. Die Nähe zur Berliner Forschungslandschaft, zu Universitäten, Forschungseinrichtungen und zur Charité hätte ideale Bedingungen geschaffen, um Ausgründungen und junge Unternehmen nach Brandenburg zu holen.
„Die Entscheidung wirft grundsätzliche Fragen zur wirtschaftspolitischen Strategie der Landesregierung auf. Welche Vision hat diese Landesregierung eigentlich für die Zukunft Brandenburgs? Ein bereits bestätigtes Schlüsselvorhaben fallen zu lassen, verlangt eine klare Erklärung, welche Strategie stattdessen gelten soll“, so Lübcke. Die Brandenburger Bündnisgrünen fordern die Landesregierung auf, transparent darzulegen, warum ein bereits als Schlüsselvorhaben eingestuftes Projekt nun nicht mehr unterstützt wird und wie sie den Biotech- und Life-Science-Standort Brandenburg konkret stärken will.