Nachrichten

Offener Brief an Vattenfall: Bündnisgrüne hoffen auf Richtungswandel

In einem offenen Brief an den neuen Chef des Energiekonzerns Vattenfall Øystein Løseth unterstreichen Annalena Baerbock, Landesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen Brandenburg und Axel Vogel, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Brandenburger Landtag, die Notwendigkeit, die Braunkohleverstromung in Brandenburg auslaufen zu lassen.

14.04.10 –

In einem offenen Brief an den neuen Chef des Energiekonzerns Vattenfall Øystein Løseth unterstreichen Annalena Baerbock, Landesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen Brandenburg und Axel Vogel, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Brandenburger Landtag, die Notwendigkeit, die Braunkohleverstromung in Brandenburg auslaufen zu lassen:

Sehr geehrter Herr Løseth,

im Namen von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Brandenburg gratulieren wir Ihnen zur Berufung als neuer Vorstandschef von Vattenfall AB und wünschen Ihnen viel Erfolg in Ihrer neuen Position.
Mit dem Wechsel an der Führungsspitze Ihres Unternehmens sind europaweit Erwartungen auf eine klimafreundlichere Unternehmenspolitik verbunden. Wir hoffen, dass sich diese erfüllen und auf Ihre Initiative hin auch eine zukunftsfähige Neuausrichtung Ihres in Brandenburg aktiven Unternehmensteils Vattenfall Europe erfolgt.

Wie Sie wissen leidet unser Bundesland massiv unter den Auswirkungen der Braunkohlenutzung durch Vattenfall Europe. Die generelle Notwendigkeit zu einem klimaverträglichen Umbau der Energiesysteme wird hier besonders augenfällig. Brandenburg verfügt zwar über eine dynamische Erneuerbare-Energien-Branche und hat den Ausbau der Erneuerbaren Energien weit vorangebracht. Vattenfall Europe hat daran jedoch kaum Anteil. Im Gegenteil: Ihr Unternehmen setzt in unserem Bundesland auf die klimafeindliche Braunkohleverstromung. Dies führt dazu, dass unser jährlicher CO2-Ausstoß pro Kopf aufgrund der massiven Braunkohle-Nutzung sogar noch über dem der USA liegt.

Obwohl aus klima- sowie energiepolitischer Sicht die Braunkohleverstromung ein Auslaufmodell ist, hat Vattenfall Europe bereits den Aufschluss weiterer Tagebaue (Welzow-Süd, Teilfeld II; Jänschwalde-Nord) beantragt. Und dies trotz der Tatsache, dass Ihr Unternehmen in Brandenburg und Sachsen über Abbaurechte für 1,3 Milliarden Tonnen Braunkohle verfügt, die, abhängig vom Abbautempo, mindestens weitere 26 Jahre reichen werden. Dieser durch das starre Festhalten am Auslaufmodell Braunkohle geprägte, rückwärts gewandte Kurs stößt nicht nur vor Ort auf die Ablehnung der Betroffenen, er schadet auch dem Ansehen der Unternehmensgruppe Vattenfall insgesamt.

Sie stimmen sicherlich mit uns darin überein, dass die Zukunft der Energiegewinnung im Ausbau der Erneuerbaren Energien liegt. Diesen Weg zu verfolgen heißt aber auch, sich von der überkommenen zentralisierten Stromgewinnung aus fossilen Energieträgern zu verabschieden. Wir hoffen, dass Sie den Mut aufbringen, mit Ihrer Unternehmenspolitik auf einen zukunftsfähigen Kurs umzusteuern.

Wir möchten Sie in diesem offenen Brief bitten, als ersten Schritt und Zeichen des Neustarts die Rücknahme der Abbauanträge für die Tagebaue Welzow-Süd und Jänschwalde-Nord in Brandenburg in die Wege zu leiten. Zudem bitten wir Sie, direkten Kontakt zu Initiativen gegen die CO2-Verpressung in saline Aquifere in Ostbrandenburg zu suchen und deren Befürchtungen Gehör zu schenken.

Wir schlagen Ihnen hiermit ein gemeinsames Treffen mit Vertreterinnen und Vertretern dieser Bürgerinitiativen, unserer Partei und unserer bündnisgrünen Landtagsfraktion vor Ort vor. Natürlich sind wir auch gerne bereit, hierfür nach Schweden zu reisen und dort gemeinsam mit Ihnen über eine zukunftsfähige Energieversorgung in Brandenburg jenseits von Landschaftszerstörung, Umsiedlungen und riskanten Endlagerstätten zu diskutieren.

Mit freundlichen Grüßen

ANNALENA BAERBOCK
Landesvorsitzende BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Landesverband Brandenburg

AXEL VOGEL
Fraktionsvorsitzender
Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im
Brandenburger Landtag

 

Kategorie

Energie | Pressemitteilung LV

TERMINE

LAG Recht, Demokratie & Antifaschismus

digitale Treffen am zweiten Donnerstag jeden Monats

Mehr